MARGOT KUPFERSCHMIDT #kunstmomente

Auszug aus der Laudatio zur Ausstellungseröffnung am 19.10.2018
im Kunstforum Affalterbach

Ob als Einzelfigur, zu zweit oder in kleinen Grüppchen, ob allein im Lokal am Tisch sitzend, ob mit Klappstuhl unterwegs zum Strand, oder beim Jogging am Hafen: Margot Kupferschmidts Protagonisten sind Menschen wie Du und Ich – Menschen in alltäglichen Situationen, in denen wir uns problemlos wiederfinden können.
Es sind Menschen, die zwar durchaus individualisiert wirken und die doch ihre Anonymität wahren. Gerade dadurch bieten sie eine ideale Projektionsfläche, machen es leicht, sich mit ihnen zu identifizieren.

Es ist nicht zu übersehen: Margot Kupferschmidt ist eine Menschenbeobachterin – der Mensch unserer heutigen, oft von Vereinzelung und Virtualisierung geprägten Zeit steht im Fokus ihrer Bilder. Doch wirken ihre Figuren nicht einsam oder resigniert, eher in sich gekehrt, nachdenklich – bei alldem haftet ihnen etwas ganz Besonderes an: scheinbar ohne sich beobachtet zu fühlen, sind sie ganz bei sich, unterliegen keinem Selbstdarstellungsdrang. Außer natürlich, wenn sie sich face-to-face direkt an uns wenden, fast schon demonstrativ Blickkontakt aufnehmen.

Weißt Du schon, 2018 © Margot Kupferschmidt

Weißt Du schon, Acryl auf Leinwand, 2018 © Margot Kupferschmidt

So oder so – die Malerin erweist sich als Philantropin, denn aus ihren Darstellungen spricht ausgesprochene Zugewandtheit, stets wahrt sie dabei sie eine gesunde Distanz, tritt den Personen ihrer Bilder niemals zu nahe. Kupferschmidt ist eine Geschichtenerzählerin par excellence. Für ihre besonderen Szenarien hat die Malerin eigene künstlerische Mittel gefunden und stetig weiterentwickelt. Dabei wird Ihre thematische Fokussierung begleitet durch eine forcierte Verknappung der Formensprache und durch eine auf Mischwerten basierende Palette. Eine Farbigkeit, die durch ihren vielfältigen Nuancenreichtum atmosphärische Dichte hervorbringt.

Spannungsmomente bringt in die an sich eher beruhigten Szenen insbesondere das Anschneiden der Kompositionen von den Bildrändern her: mit dieser Ausschnitthaftigkeit weiß die Künstlerin Dynamisierung zu erzeugen, den überschnittenen Figuren haftet dadurch etwas Zufälliges an. Einem fotografischen Schnappschuss vergleichbar, ergibt sich ein wie beiläufig erhaschter Blick auf Menschen und Situationen.

Kupferschmidts Szenen sind unübersehbar im Hier und Heute angesiedelt. Dabei bewahren ihre Gestalten stets ihre Anonymität, ihr konkreter, individueller Lebenskontext bleibt verborgen. Die Figuren verkörpern mithin einen Typus, sie sind Stellvertreter des urbanen Menschen in der modernen Lebenswelt: geprägt von Vereinzelung, manchmal von Alleinsein, oft im Augenblick des Zurückgeworfen-Seins auf sich selbst. Ihre dem unspektakulären Alltag abgelauschten Szenerien zeigen gleichsam für ihre Protagonisten wichtige, vielleicht gar entscheidende Augenblicke.

“Die Inszenierung meiner Bilder entsteht vorwiegend aus komponierten Momentaufnahmen, die im Alltag, öffentlichen Plätzen und bei Reisen entstanden sind. Zufall, wie auch planerisches Vorgehen sind Teil meines Gestaltungsprozesses, alles ist dabei möglich.” (Margot Kupferschmidt)

Austausch vom Umtausch, 2018 © Margot Kupferschmidt

Austausch vom Umtausch, Acryl auf Leinwand, 2018 © Margot Kupferschmidt

Ausstellung 2018 © Margot Kupferschmidt

© Margot Kupferschmidt 2018